
Muskelkater, der sich wirklich lohnt! -
Muskelkater, an den man sich gerne erinnert!
(Ein Erfahrungsbericht von der „Langen Nacht vom Hürtgenwald“)
...Spätestens in dem Moment, als wir mit unseren Gesichtern im Gestrüpp landeten, erkannten wir die Tücken eines Nachthaijks:
Hier, an der ersten Station des Rundlauf-Nachthaijks um die Wehebachtalsperre war es unsere Aufgabe, jeweils zu zweit ein Gebüsch mit Hilfe der Umgehungsmarken eines Kompasses zu umgehen – und zur Belohnung erwartete uns ein "Schatz"! Schade nur, dass wir jetzt mitten in dem Gebüsch standen, das wir eigentlich hätten umgehen sollen...Und das trotz Rotlichtlampen auf dem Kopf, die uns die Sicht im stockdunklen Hürtgenwald erleichtern sollten! Nach einem herzlichen Lachanfall starteten wir unseren zweiten Anlauf und fanden nach einigem Suchen auch die "Dimes", die nicht nur uns sondern auch die anderen Ranger entlohnen sollten, die genau wie wir der freundlichen Einladung der Aachener zur nun schon 5. Langen Nacht vom Hürtgenwald gefolgt waren...
Etwa fünf Stunden zuvor, also gegen 15 Uhr waren die etwa 100 Ranger aus den verschiedensten Stämmen – 197 Aachen und Eupen/Neu-Moresnet, 118 Andernach, 212 Bergisch-Gladbach, 116 Düsseldorf 1, 326 Erkrath, 84 Euskirchen, 357 Hachenburg, 184 Kall, 190 Köln 3, 91 Köln-Ehrenfeld, 90 Krefeld, 76 Landau, 306 Langenfeld, 43 Leimen, 71 Porz, 318 Roth-Heideck, 302 Sembach, 64 Siegen, 298 Troisdorf, 128 Wiehl, 284 Wuppertal und 1 Schinnen (NL) – angereist und wurden in den Räumlichkeiten der Vineyard Gemeinde Aachen grob in den Grundlagen der Orientierung unterrichtet. Neben UTM, Bezugspunktverfahren, Polarkoordinaten und Kreuzpeilung wurde uns auch das Morsealphabet und seine Handhabung beigebracht. Anhand eines Selbsttests konnten wir die verschiedenen Verfahren nochmals praktisch anwenden und einüben. Bevor es danach endgültig in den Wald ging, konnten wir uns am abwechslungsreichen Mitbring-Buffet noch mal richtig stärken und die Gemeinschaft mit den anderen abenteuerlustigen Rangern genießen.
...Als wir wieder zu dem Rest unseres achtköpfigen Frösche -Teams stießen, das – wie alle anderen Teams auch – aus Pfadrangern und Royal Ranger-Leitern zusammengewürfelt war, und in der gemütlich hergerichteten Waldhütte (mit Tee, Kaffee und anderem, was das müde Ranger-Wander-Herz begehrt) auf uns wartete, sattelten wir uns wieder mit unseren Wanderrucksäcken, als uns auffiel, dass doch noch zwei fehlten. Die beiden waren nämlich querfeldein mit einer Trage losgezogen, um eine in der Nähe zusammengebrochene Pfadrangerin zu bergen. Einer von ihnen ist professioneller Feuerwehrmann und kennt sich daher bestens in solchen Fällen aus! Eigentlich super, dass sie gerade zur Stelle waren und - alle Zeit bereit! – helfen konnten. Aber leider haben wir durch diese Rettungsaktion einiges an Zeit verloren. Traurigerweise war der Haijk für diese Pfadfinderin sofort zu Ende, noch bevor sie überhaupt die erste Station erreicht hatte. Daraus haben wir gelernt, dass man immer genug essen und vor allem viel trinken sollte, besonders vor und bei solch anstrengenden Royal Rangers-Aktionen.
Um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, marschierten wir zügig weiter – damit sich die nach uns kommenden Teams nicht an den Stationen knubbeln mussten. Auf dem Weg zur nächsten Station zählten wir alle nacheinander etappenweise fleißig unsere Schritte, um uns im stockdunklen Hürtgenwald nicht hoffnungslos zu verlaufen, Entfernungen abschätzen zu können und alle wichtigen Abzweigungen mitzubekommen. Um ca. 3,5 km zurückzulegen, mussten wir also insgesamt 4375 Schritte zählen (bei einer geschätzten Schrittlänge von 80cm)!! Da war der eine oder andere mal gut 20 min am Stück „nicht ansprechbar“!
Als wir endlich bei der zweiten Station ankamen, stellten wir "begeistert" fest, dass wir dort die Möglichkeit hatten unsere Schrittlänge zu ermitteln ...*gähn*... es stellte sich heraus, dass tatsächlich fast alle aus unserem Team eine Schrittlänge von ca. 80cm hatten – oh Wunder!
Es gab insgesamt fünf Stationen, die wir während des Nacht-Orientierungslaufes ansteuern mussten. In den weiteren drei Stationen lernten wir Wissenswertes über AZB-Päckchen (extra leicht für längere Wanderungen und Haijks), praktischen Zunder zum selber machen (Watte mit Vaseline oder Melkfett im Fotodöschen) und Orientierung nach dem Sternenhimmel.
Die größte und schwerste Herausforderung an diesem Haijk war für unser Team die Entscheidung wirklich loszulaufen; und wir brauchten schon eine gehörige Portion Gottvertrauen, um trotz der miesen Umstände loszugehen:
Es war 21 Uhr, wir waren alle müde vom Tag, es regnete in Strömen, und wir waren uns bewusst, dass noch mindestens 8 Stunden anstrengenden Laufens vor uns lagen. Glücklicherweise wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass wir auf den meisten Wegen knöcheltief im Matsch versinken würden und dass bei gut einem Viertel der auf der Karte eingezeichneten Wege das Betreten strikt verboten war. Das bedeutete unzählig viele und weiträumige Umwege.
Aber nach einem gemeinsamen Drückgebet im Team kam gute Stimmung und sogar Freude auf, die auch während des Haijks anhielt.
Mit Gottes Hilfe haben wir die gut 30km in 9 Stunden und ohne Verlaufen bewältigt (Hallelujah!). Die meisten Teams haben es allerdings nicht so gut getroffen, da sie teilweise nicht so schnell vorangekommen sind oder sich komplett verlaufen haben. Aber nach ca. 11 Stunden harten Marschierens sind auch die Letzten erschöpft aber glücklich am Start- und Endparkplatz angekommen.
Trotz aller Anstrengungen und aller Begleiterscheinungen (wie Muskelkater, Verspannungen, Zerrungen und Müdigkeit) können wir die Lange Nacht vom Hürtgenwald (und bald hoffentlich auch die „Lange Nacht des Südens“) wärmstens weiterempfehlen. Die Gemeinschaft ist bereichernd und zusammenschweißend, die Stationen sind lehrreich und teilweise auch sehr schmackhaft (Bratwürstchen und Süßes). Außerdem haben wir Gottes Unterstützung, Bewahrung und Schutz besonders intensiv erleben dürfen. Dafür haben sich die Strapazen allemal gelohnt; und WIR sind beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder mit dabei!
Birthe Grashof RR 326 Erkrath & Sara Derscheid RR 116 Düsseldorf 1
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