 |
- Schwedentour 2001
- von Bennet
Pflaum
6.7. - 18.30h
Abfahrt mit zwei VW-Bussen in Siegen - planmäßig eine halbe Stunde
später als geplant. Die Fahrt beginnt nach einen kurzen Stoßgebet,
dass auch unbedingt notwendig ist, denn beim VW-Bus unseres Leiters
schlägt im Motor ein Kolben auf ein Ventil - das dadurch verursachte
knattern begleitet uns die ganze Fahrt über. Aber die beruhigenden
Worte unseres Leiters: "Er hat schon 1000km gehalten - er wird auch
die nächsten 1000 noch halten", machen die Fahrt wesentlich
angenehmer.
Wir fahren bis
tief in die Nacht hinein, bis wir totmüde irgendwo in
Norddeutschland auf dem Lande in die nächst beste Seitenstraße
abbiegen, um uns einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Wir hauen
uns mit Schlafsack und Isomatte auf einen Rasen bei einem Parkplatz.
Nach drei Stunden Schlaf ist Aufstehzeit, weil wir weiter müssen.
Vor unseren Augen steht eine Schule, aber zum Glück sind
Sommerferien!
7.7. - Die Fahrt
geht weiter, mit der Fähre nach Dänemark, von da über die
Öresundbrücke nach Schweden. Nach der Brücke kommt die Kasse zum
zahlen. Unser Leiter fährt an einen freien Schalter. Es folgt ein
großer Aufschrei: "Hä? Was ist denn hier los? Hier sitzt ja gar
keiner? Wo soll man denn hier das Geld reinschieben?" Er ist in
seiner Müdigkeit an den Schalter mit der Anschrift "Cards" gefahren.
Klar, dass da keiner saß. Nach dem bezahlen geht die Fahrt weiter,
vor uns liegt die Weite Schwedens...
Nach einer langen Fahrt sind wir
schließlich in Schweden angekommen. Den Abend in Schweden verbringen
wir auf einem Campingplatz in einem Ort südlich von
Värnamo.
Ein kurzer
Sprung in einen naheliegenden See und dann ab in die Schlafsäcke! In
dieser Nacht machen wir unsere ersten Erfahrungen mit den legendären
Knots. Diese typisch schwedischen Milben, die durch jedes normale
Moskitonetz wandern, so als wäre es nicht da, und einem die Nacht
zur Hölle machen können.
8.7. - Heute
fahren wir nach Värnamo zu der dortigen Gemeinde, wo gerade der
Gottesdienst läuft. Wir halten jedoch aufgrund mangelnder
Schwedisch-Kenntnisse unseren eigen Gottesdienst. Eine Frau, die
auch deutsch kann, führt uns durch die Gemeinde und wir sehen zu
unserem erstaunen, dass die Gemeinde ihre eigene Sporthalle hat und
erfahren, dass der ganze Gebäudekomplex umgerechnet 10mio DM
gekostet hat. Dann kommt ein Rangerleiter und führt uns zu einem
Biwakplatz der RR Värnamo, wunderschön an einem See gelegen. Am
Abend besucht uns, wie angekündigt, ein Rangerteam, dass
größtenteils aus Mädchen besteht, doch es sind auch zwei Jungen
dabei. Sie erzählen uns, dass schwedische RR-Teams eigentlich immer
gemischt sind. Auf jeden Fall gehen wir zusammen schwimmen und
werden auch schon etwas gesprächiger. Aber, wie es ja bekanntlich so
ist, müssen sie kurz danach auch schon wieder fahren. Zum Abschied zeigen man uns aber noch einen
Brunnen, an dem wir unser Trinkwasser holen können. Er ist zum Glück
nicht weit vom Lager entfernt. Nach dem Abschied kehren wir mit
unseren gefüllten Wasserflaschen zurück zum Lager. Der Abend ist
kaum auszuhalten, wir werden von allen Seiten von Moskitos
attackiert. Lange halten wir es draußen nicht aus und wir flüchten
in unsere Zelte. Ich verkrieche mich in meinem Schlafsack, muss dazu
feststellen, dass unser Zelt wie letzte Nacht, nicht gegen diese
Milben sicher ist. Die Milben gehen unaufhaltsam durch die Netze.
Die Nacht wird zur Hölle. Überall pickst es.
9.7. - Um
4.30Uhr springe ich aus dem Zelt, bin mit roten Punkten übersäht. Es
ist schon hell. Die Sonne steht schon über den Baumgipfeln. Draußen
ist es jetzt etwas angenehmer. Aber auszuhalten ist die Plage nur
wenn man in Bewegung bleibt.
Ich beschließe
einen Spaziergang zu machen, bei dem zwei andere aus meinem Team
mitkommen, denn sie hatten das gleiche Zelt. Wir wandern die Straße
entlang, über die wir einen Tag zuvor gekommen waren.. Es geht durch
Wiesen und Wälder. Es ist schön, die Natur, die aufgehende Sonne,
der glitzernde See. Wir sehen auch Rehe und Kraniche. Nach 2 Stunden
erholsamen Fußmarsch kehren wir zum Lager zurück. Die anderen werden
auch schon langsam wach. Wir frühstücken gemeinsam und planen den
Tag.
Heute fahren wir nach Värnamo zurück. Nachdem wir ein
wenig durch die Stadt gebummelt sind, machen wir die Fahrräder klar.
Doch es kommt, wie es kommen musste: Es fängt an zu gewittern.
Eigentlich kommt es mir gerade recht, da es schon den ganzen Tag so
schwül war, aber schließlich wollten wir jetzt Fahrrad fahren. Wir
fahren trotzdem, und zwar zurück zu unserem alten Biwakplatz, wo wir
die Zelte aufgebaut gelassen haben. Bennet und ich versuchen, unser
Zelt mit den Ponchos abzudichten. Es scheint zu klappen und so ist
diese Nacht für uns milbenfrei.
10.7. - Wir wachen wirklich ausgeruht auf. Seitdem ist
die Milbenplage vorbei, auch wenn wir die ganze Tour immer weiter an
unser Milbenabwehrtechnik herumfeilen werden und sie immer weiter
perfektionieren. Ein großer Sieg über die Natur! Heute bauen wir die
Zelte ab und radeln neuen Abenteuern entgegen.
Das erste Ziel
ist Os. Dort sehen wir uns eine nostalgische Schmalspurbahn an.
Toller Anblick, doch leider können wir nicht mitfahren, wir müssen
weiter.
Bei der Fahrt,
bei einer kleinen Rast zwischendurch halten wir an einer großen
Wiese. Sie gehört zu einem Haus, das nicht weit entfernt liegt. Das
Grundstück ist nicht eingezäunt, und so kommt es, dass einige aus
unserem Team ihre Fahrräder statt auf der Straße auf der Wiese
abstellen. Kurz darauf kommt der Besitzer des Hauses zu uns. In
Schweden sind alle Leute nett, so auch dieser Mann. Er ist aber
nicht nur nett, sondern auch sehr witzig. Er spricht sogar Deutsch,
denn seine Frau ist Deutsche. Er gibt uns neues Trinkwasser und lädt
uns zum Kaffeetrinken ein. Wir unterhalten uns lange mit ihm und
seiner Frau. Doch wir haben unser Tagesziel Vrigstad noch nicht
erreicht und müssen schon wieder weiter.
Bei Vrigstad
suchen wir uns einen geeigneten Lagerplatz für die Nacht. Er liegt
an einem See. Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut haben gehen wir an
einen nicht weit entfernten Badesteck schwimmen. Das Wasser ist warm
und nur die Zeit ist es, die uns zwingt wieder aus dem Wasser zu
gehen.
11.7. - Unser
Tagesziel ist Jönköpping, eine Großstadt am Vätternsee. Doch zuerst
wollen wir an einem Friedhof neues Trinkwasser holen. Wir füllen
unsere Trinkgefäße. Das Wasser ist gelblich, doch unser Leiter
erklärt uns, dass dies Minerale seien und dass das Wasser sonst
sauber ist. Wir glauben ihm, bis einer einen Friedhofsgärtner fragt,
wo dieses Trinkwasser denn herkommt. Er erklärt uns, dass dies
Wasser sei, was aus einem naheliegenden Fluss hochgepummt
wird.
In Jönköping siedeln wir uns der Einfachheit halber auf
einem Campingplatz an, der recht schön ist. Das Benutzen des
Trockners hier ist umsonst und so planen wir den nächsten Tag als
Waschtag ein. Dank des starken Windes gibt es hier nicht viele
Mücken und ähnliches Geviechze und Gedäh.
12.7. - In der Nacht hat es zu regnen begonnen und als
ich aufwache, ist das Ende meines Schlafsackes nass. Als ich mich
schließlich überwinde, das Zelt zu verlassen, muss ich feststellen,
dass das Zelt von Maik und Stephan zusammengekracht ist. Später
erfahre ich, dass es außerdem total überflutet war. Die beiden
Bewohner des Zeltes finde ich in der Cafeteria, wo sie schon seit
geraumer Zeit Karten spielen. Bennet und ich beschließen, uns
zusammen eine Packung Milch zu kaufen, da wir gemerkt haben, dass
wir bezüglich Milch die gleichen Interessen vertreten und nun schon
seit ein paar Tagen ohne auskommen mussten. Mein Frühstück besteht
aus Chips. Heute wollen wir uns die Jonkjöping anschauen, also
machen sich alle bis auf Stephan und Flak, die sich dadurch ausruhen
können, auf zum A6-Center, wo wir ein bisschen Zeit verbringen und
das ein oder andere zu kaufen. Dann kehren wir zum Campingplatz
zurück.
Abends waschen wir unsere Klamotten und machen ein
kunterbuntes Mahl aus Kartoffeln, Eiern und Zwiebeln, die wir in der
Stadt gekauft haben.
13.7. - Morgens essen wir in der Cafeteria, weil es
dort ein Buffet für 25 Kronen gibt. Es schmeckt wirklich köstlich!
Zum Glück regnet es nicht mehr und so bauen wir die Zelte ab und
machen uns, sehr spät allerdings erst, da wir so lange gefrühstückt
haben, auf nach Gränna, das nicht all zu weit entfernt liegt. Am
Abend sind wir alle so müde, dass wir uns etwas übereilt noch einen
Biwakplatz suchen, der gut versteckt mitten zwischen zwei
Privatgrundstücken liegt. Ich bin äußerst erschöpft und schlafe
einfach herrlich.
14.7. -
Wir
brechen relativ zeitig auf und peilen erst einmal Boxholm an.
Allerdings stellt sich heraus, dass es doch zu weit ist. Also suchen
wir uns gegen Abend einen Biwakplatz. Wir entdecken an einem See
eine sehr idyllische Gegend. Doch sie ist sehr steinig und felsig,
so dass man die Zelte über die ganze Gegend verteilen müsste.
Wir kommen
schließlich in Trehörna an einem Badeplatz zur Ruhe. Für diese Nacht
haben wir wirklich einen sehr schönen Schlafplatz gefunden.
15.7. - Wir stehen früher als sonst auf, um möglichst
schnell den Badeplatz zu verlassen. Dann, nach dem Aufbruch und
der üblichen kurzen Andacht brechen wir auf. Heute wollen wir nur zu
Kosiols Haus kommen, wo wir die nächste Nacht verbringen wollen.
Unser heutiges Mittagessen nehmen wir in Form von 1l Jogurt, wie wir
es uns schon länger angewöhnt haben, in Boxholm zu uns. Dann nehmen
wir den letzten Teil der Strecke in Angriff. Er ist nicht mehr sehr
lang und gegen 5h kommen wir an. Herr Kosiol teilt uns mit, dass er
als Überraschung für uns grillen will. Endlich kommt noch mal
richtiges Fleisch zwischen unsere Zähne, was nach dem ganzen
Fertiggericht-Gezeugs eine wahre Wohltat ist. Es gibt hier zwar
besonders viele Mücken, aber zum Glück hilft Jans Mückenöl
wenigstens gegen Mücken im Gegensatz zu Milben. Auch diese Nacht ist
herrlich.
16.7. - Wir
stehen um 7 Uhr auf, da wir uns für den folgenden Tag die bisher
längste Etappe vorgenommen haben. Es ist auch tatsächlich das erste
Mal, dass wir wie schon in Siegen abgesprochen um 9h loskommen. Der
Tag wird sehr anstrengend, da wir ungefähr die erste Hälfte keine
richtigen Wege fahren, die zudem noch die ganze Zeit auf und ab
gehen, was bei weitem das Anstrengenste ist. So sind wir froh, als
wir endlich eine richtige Straße erreichen. Die letzte Strecke bis
nach Eksjö fahren wir nur noch so vor uns hin, obwohl es im
Vergleich zu vorher fast wie von alleine geht. Als wir in Eksjö
ankommen, ist vor allem Günther so platt, dass wir keinen Bock
haben, uns noch einen Biwakplatz zu suchen, so dass wir uns
kurzerhand auf einem Campingplatz niederlassen. Aber wir haben eine
stolze Strecke von immerhin 92 km geschafft, entgegen aller
Widrigkeiten des Weges.
17.7. - Als
heutiges Etappenziel haben wir Sävsjö genommen. Die heutige Fahrt
ist wenig fordernd und als wir in Sävsjö ankommen, sind die meisten
noch so fit, dass wir noch weiter bis nach Vrigstad fahren wollen,
wo wir ja sogar schon einen Biwakplatz haben. Doch Günthers Hintern
ist entzündet und so zelten wir wieder auf einem Campingplatz, der,
wie wir später noch herausfinden, von Christen verwaltet wird.
Abends spielt eine christliche Band und ich genieße es, noch einmal
vernünftige Musik zu hören. Außerdem spielen wir Streetball, was
allerdings schließlich daran scheitert, dass wir uns nicht auf die
Regeln einigen können. Das nächste Mal werden wir es besser machen.
Zudem schreiben wir Flaks Frau eine Karte, in der wir ihr mitteilen,
dass ihr Mann mit einem Elefanten schwanger ist.
18.7. -
Es
hat über Nacht begonnen zu regnen und das Frühstück wird dadurch
sehr ungemütlich, weil wir in den Zelten essen müssen. Wir bauen
trotzdem die Zelte ab, da wir heute bis nach Värnamo kommen wollen,
wo wir ja genug Zeit zu allem, inklusive Zelte trocknen, haben. Zum
Glück hört es später dann auch auf zu regnen. Die Andacht halten wir
in der Cafeteria bei einem Freigetränk. Dann machen wir uns auf nach
Värnamo. Wir kommen auch noch einmal durch Vrigstad. Endlich kommen
wir in Värnamo an. Da wir die letzten Kilometer richtig Gas gegeben
haben, bin ich total erschöpft, als wir zu guter Letzt die Autos
erreichen. Günther trifft natürlich geraume Zeit später ein, weil
sein Hintern immer noch entzündet ist. Wir laden die Fahrräder ein
und fahren zu unserem guten alten Biwakplatz am See. Nachdem wir die
Zelte aufgeschlagen haben, machen wir ein Feuer an, um uns die
Milben und so vom Hals und anderen Körpergegenden zu
halten.
Auf dem See
angeln zwei schwedische Jungen von einem Boot aus. Sie schenken uns
einen kleinen Fisch, den einzigen, den sie an diesem Tag geangelt
haben. Wir bereiten ihn zu und essen ihn gemeinsam. Viel ist es zwar
nicht, aber es schmeckt vorzüglich.
Bis tief in die Nacht hinein sitzen wir um das Feuer
und trinken Tee oder Cappuchino, bis wir uns zu Schlafsack
begeben.
19.7. - Der letzte Schwedentag hat begonnen. Jetzt
heißt es ausruhen und genießen. Unsere Leiter verlassen uns am
Vormittag, weil sie noch einige Besorgungen in der Stadt machen
wollen und so sind wir eben den halben Tag alleine. Also bleibt der
Rest zurück auf dem Biwakplatz. Wir machen uns einen schönen Tag,
den Bennet und Jens mit dem Schreiben eines Reiseberichtes, David
und Jan mit dem Bauen eines Floßes, mit dem sie zum Angeln auf den
See rausfahren wollen und schließlich ich mit dem Sammeln von
Blaubeeren, von denen ich in der Nähe jede Menge gefunden habe.
Später kommt Jens dazu. Irgendwann ist das Floß fertig. Dafür, dass
sie so wenige Seile hatten, haben Jan und David ihre Aufgabe
meisterhaft gelöst. Doch als sie das Floß zu Wasser gelassen haben
und es das erstemal belasten, rutschen die Kanister, die sie als
eigentliche Schwimmkörper benutzt haben, nach oben. Sie versuchen,
sie irgendwie festzuklemmen, was auch erst vielversprechend aussieht
und stechen dann trotz allem in See. Es endet damit, dass sie den
„Schwulen Hund“, wie sie ihr Prachtstück genannt haben, von irgendwo
weit draußen wieder zum Lager schleppen müssen, da wir auf die
Seile, die zum Bau verwendet wurden, schlecht verzichten
können.
Irgendwann zieht sich der Himmel zu und wir sichern
vorsichtshalber das Lager. Es fängt auch tatsächlich an zu stürmen
und zu regnen. Das Unwetter streift uns glücklicherweise nur, doch
hat es so stark gestürmt, dass das eine oder andere Zelt fast
weggeweht worden wäre (trotz der Heringe!). Zum Abendessen gibt es
noch mal ein Kartoffel-Ei-Zwiebel-Gericht, bereitet aus den Zutaten,
Die G. und F. aus dem Ort mitgebracht haben. Hocker haben sie nicht
gekriegt. Wir machen noch einmal eine Runde am Lagerfeuer wie
vorigen Abend, gehen jedoch früher ins Bett, weil wir uns morgen auf
den Heimweg machen wollen.
20.7. - Die
Heimreise ist nicht weiter erwähnenswert, bis auf, dass Jan in
Schweden geblieben ist und ich in Puttgarden die Mannschaft
verlasse, um in Eckernförde zu bleiben. Wir haben einiges erlebt, sehr viel Spaß
gehabt und vor allem die ganze Zeit genossen. Wir haben Schweden
etwas besser kennengelernt, die schwedische Freundlichkeit, den
gesunden Nationalstolz und ein Stück weit die
Mentalität. |
|