Schwedentour 2001

Reisebericht der Pfadranger vom Stamm 64 Siegen

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Schwedentour 2001
von Bennet Pflaum

6.7. - 18.30h Abfahrt mit zwei VW-Bussen in Siegen - planmäßig eine halbe Stunde später als geplant. Die Fahrt beginnt nach einen kurzen Stoßgebet, dass auch unbedingt notwendig ist, denn beim VW-Bus unseres Leiters schlägt im Motor ein Kolben auf ein Ventil - das dadurch verursachte knattern begleitet uns die ganze Fahrt über. Aber die beruhigenden Worte unseres Leiters: "Er hat schon 1000km gehalten - er wird auch die nächsten 1000 noch halten",  machen die Fahrt wesentlich angenehmer.

Wir fahren bis tief in die Nacht hinein, bis wir totmüde irgendwo in Norddeutschland auf dem Lande in die nächst beste Seitenstraße abbiegen, um uns einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Wir hauen uns mit Schlafsack und Isomatte auf einen Rasen bei einem Parkplatz. Nach drei Stunden Schlaf ist Aufstehzeit, weil wir weiter müssen. Vor unseren Augen steht eine Schule, aber zum Glück sind Sommerferien!

7.7. - Die Fahrt geht weiter, mit der Fähre nach Dänemark, von da über die Öresundbrücke nach Schweden. Nach der Brücke kommt die Kasse zum zahlen. Unser Leiter fährt an einen freien Schalter. Es folgt ein großer Aufschrei: "Hä? Was ist denn hier los? Hier sitzt ja gar keiner? Wo soll man denn hier das Geld reinschieben?" Er ist in seiner Müdigkeit an den Schalter mit der Anschrift "Cards" gefahren. Klar, dass da keiner saß. Nach dem bezahlen geht die Fahrt weiter, vor uns liegt die Weite Schwedens...

Nach einer langen Fahrt sind wir schließlich in Schweden angekommen. Den Abend in Schweden verbringen wir auf einem Campingplatz in einem Ort südlich von Värnamo. 

Ein kurzer Sprung in einen naheliegenden See und dann ab in die Schlafsäcke! In dieser Nacht machen wir unsere ersten Erfahrungen mit den legendären Knots. Diese typisch schwedischen Milben, die durch jedes normale Moskitonetz wandern, so als wäre es nicht da, und einem die Nacht zur Hölle machen können. 

8.7. - Heute fahren wir nach Värnamo zu der dortigen Gemeinde, wo gerade der Gottesdienst läuft. Wir halten jedoch aufgrund mangelnder Schwedisch-Kenntnisse unseren eigen Gottesdienst. Eine Frau, die auch deutsch kann, führt uns durch die Gemeinde und wir sehen zu unserem erstaunen, dass die Gemeinde ihre eigene Sporthalle hat und erfahren, dass der ganze Gebäudekomplex umgerechnet 10mio DM gekostet hat. Dann kommt ein Rangerleiter und führt uns zu einem Biwakplatz der RR Värnamo, wunderschön an einem See gelegen. Am Abend besucht uns, wie angekündigt, ein Rangerteam, dass größtenteils aus Mädchen besteht, doch es sind auch zwei Jungen dabei. Sie erzählen uns, dass schwedische RR-Teams eigentlich immer gemischt sind. Auf jeden Fall gehen wir zusammen schwimmen und werden auch schon etwas gesprächiger. Aber, wie es ja bekanntlich so ist, müssen sie kurz danach auch schon wieder fahren. Zum Abschied zeigen man uns aber noch einen Brunnen, an dem wir unser Trinkwasser holen können. Er ist zum Glück nicht weit vom Lager entfernt. Nach dem Abschied kehren wir mit unseren gefüllten Wasserflaschen zurück zum Lager. Der Abend ist kaum auszuhalten, wir werden von allen Seiten von Moskitos attackiert. Lange halten wir es draußen nicht aus und wir flüchten in unsere Zelte. Ich verkrieche mich in meinem Schlafsack, muss dazu feststellen, dass unser Zelt wie letzte Nacht, nicht gegen diese Milben sicher ist. Die Milben gehen unaufhaltsam durch die Netze. Die Nacht wird zur Hölle. Überall pickst es. 

9.7. - Um 4.30Uhr springe ich aus dem Zelt, bin mit roten Punkten übersäht. Es ist schon hell. Die Sonne steht schon über den Baumgipfeln. Draußen ist es jetzt etwas angenehmer. Aber auszuhalten ist die Plage nur wenn man in Bewegung bleibt.

Ich beschließe einen Spaziergang zu machen, bei dem zwei andere aus meinem Team mitkommen, denn sie hatten das gleiche Zelt. Wir wandern die Straße entlang, über die wir einen Tag zuvor gekommen waren.. Es geht durch Wiesen und Wälder. Es ist schön, die Natur, die aufgehende Sonne, der glitzernde See. Wir sehen auch Rehe und Kraniche. Nach 2 Stunden erholsamen Fußmarsch kehren wir zum Lager zurück. Die anderen werden auch schon langsam wach. Wir frühstücken gemeinsam und planen den Tag. 

Heute fahren wir nach Värnamo zurück. Nachdem wir ein wenig durch die Stadt gebummelt sind, machen wir die Fahrräder klar. Doch es kommt, wie es kommen musste: Es fängt an zu gewittern. Eigentlich kommt es mir gerade recht, da es schon den ganzen Tag so schwül war, aber schließlich wollten wir jetzt Fahrrad fahren. Wir fahren trotzdem, und zwar zurück zu unserem alten Biwakplatz, wo wir die Zelte aufgebaut gelassen haben. Bennet und ich versuchen, unser Zelt mit den Ponchos abzudichten. Es scheint zu klappen und so ist diese Nacht für uns milbenfrei. 

10.7. - Wir wachen wirklich ausgeruht auf. Seitdem ist die Milbenplage vorbei, auch wenn wir die ganze Tour immer weiter an unser Milbenabwehrtechnik herumfeilen werden und sie immer weiter perfektionieren. Ein großer Sieg über die Natur! Heute bauen wir die Zelte ab und radeln neuen Abenteuern entgegen.

Das erste Ziel ist Os. Dort sehen wir uns eine nostalgische Schmalspurbahn an. Toller Anblick, doch leider können wir nicht mitfahren, wir müssen weiter.

Bei der Fahrt, bei einer kleinen Rast zwischendurch halten wir an einer großen Wiese. Sie gehört zu einem Haus, das nicht weit entfernt liegt. Das Grundstück ist nicht eingezäunt, und so kommt es, dass einige aus unserem Team ihre Fahrräder statt auf der Straße auf der Wiese abstellen. Kurz darauf kommt der Besitzer des Hauses zu uns. In Schweden sind alle Leute nett, so auch dieser Mann. Er ist aber nicht nur nett, sondern auch sehr witzig. Er spricht sogar Deutsch, denn seine Frau ist Deutsche. Er gibt uns neues Trinkwasser und lädt uns zum Kaffeetrinken ein. Wir unterhalten uns lange mit ihm und seiner Frau. Doch wir haben unser Tagesziel Vrigstad noch nicht erreicht und müssen schon wieder weiter. 

Bei Vrigstad suchen wir uns einen geeigneten Lagerplatz für die Nacht. Er liegt an einem See. Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut haben gehen wir an einen nicht weit entfernten Badesteck schwimmen. Das Wasser ist warm und nur die Zeit ist es, die uns zwingt wieder aus dem Wasser zu gehen. 

11.7. - Unser Tagesziel ist Jönköpping, eine Großstadt am Vätternsee. Doch zuerst wollen wir an einem Friedhof neues Trinkwasser holen. Wir füllen unsere Trinkgefäße. Das Wasser ist gelblich, doch unser Leiter erklärt uns, dass dies Minerale seien und dass das Wasser sonst sauber ist. Wir glauben ihm, bis einer einen Friedhofsgärtner fragt, wo dieses Trinkwasser denn herkommt. Er erklärt uns, dass dies Wasser sei, was aus einem naheliegenden Fluss hochgepummt wird. 

In Jönköping siedeln wir uns der Einfachheit halber auf einem Campingplatz an, der recht schön ist. Das Benutzen des Trockners hier ist umsonst und so planen wir den nächsten Tag als Waschtag ein. Dank des starken Windes gibt es hier nicht viele Mücken und ähnliches Geviechze und Gedäh.

12.7. - In der Nacht hat es zu regnen begonnen und als ich aufwache, ist das Ende meines Schlafsackes nass. Als ich mich schließlich überwinde, das Zelt zu verlassen, muss ich feststellen, dass das Zelt von Maik und Stephan zusammengekracht ist. Später erfahre ich, dass es außerdem total überflutet war. Die beiden Bewohner des Zeltes finde ich in der Cafeteria, wo sie schon seit geraumer Zeit Karten spielen. Bennet und ich beschließen, uns zusammen eine Packung Milch zu kaufen, da wir gemerkt haben, dass wir bezüglich Milch die gleichen Interessen vertreten und nun schon seit ein paar Tagen ohne auskommen mussten. Mein Frühstück besteht aus Chips. Heute wollen wir uns die Jonkjöping anschauen, also machen sich alle bis auf Stephan und Flak, die sich dadurch ausruhen können, auf zum A6-Center, wo wir ein bisschen Zeit verbringen und das ein oder andere zu kaufen. Dann kehren wir zum Campingplatz zurück.

Abends waschen wir unsere Klamotten und machen ein kunterbuntes Mahl aus Kartoffeln, Eiern und Zwiebeln, die wir in der Stadt gekauft haben.

13.7. - Morgens essen wir in der Cafeteria, weil es dort ein Buffet für 25 Kronen gibt. Es schmeckt wirklich köstlich! Zum Glück regnet es nicht mehr und so bauen wir die Zelte ab und machen uns, sehr spät allerdings erst, da wir so lange gefrühstückt haben, auf nach Gränna, das nicht all zu weit entfernt liegt. Am Abend sind wir alle so müde, dass wir uns etwas übereilt noch einen Biwakplatz suchen, der gut versteckt mitten zwischen zwei Privatgrundstücken liegt. Ich bin äußerst erschöpft und schlafe einfach herrlich. 

14.7. - Wir brechen relativ zeitig auf und peilen erst einmal Boxholm an. Allerdings stellt sich heraus, dass es doch zu weit ist. Also suchen wir uns gegen Abend einen Biwakplatz. Wir entdecken an einem See eine sehr idyllische Gegend. Doch sie ist sehr steinig und felsig, so dass man die Zelte über die ganze Gegend verteilen müsste.

Wir kommen schließlich in Trehörna an einem Badeplatz zur Ruhe. Für diese Nacht haben wir wirklich einen sehr schönen Schlafplatz gefunden.

15.7. - Wir stehen früher als sonst auf, um möglichst schnell den Badeplatz zu verlassen.  Dann, nach dem Aufbruch und der üblichen kurzen Andacht brechen wir auf. Heute wollen wir nur zu Kosiols Haus kommen, wo wir die nächste Nacht verbringen wollen. Unser heutiges Mittagessen nehmen wir in Form von 1l Jogurt, wie wir es uns schon länger angewöhnt haben, in Boxholm zu uns. Dann nehmen wir den letzten Teil der Strecke in Angriff. Er ist nicht mehr sehr lang und gegen 5h kommen wir an. Herr Kosiol teilt uns mit, dass er als Überraschung für uns grillen will. Endlich kommt noch mal richtiges Fleisch zwischen unsere Zähne, was nach dem ganzen Fertiggericht-Gezeugs eine wahre Wohltat ist. Es gibt hier zwar besonders viele Mücken, aber zum Glück hilft Jans Mückenöl wenigstens gegen Mücken im Gegensatz zu Milben. Auch diese Nacht ist herrlich. 

16.7. - Wir stehen um 7 Uhr auf, da wir uns für den folgenden Tag die bisher längste Etappe vorgenommen haben. Es ist auch tatsächlich das erste Mal, dass wir wie schon in Siegen abgesprochen um 9h loskommen. Der Tag wird sehr anstrengend, da wir ungefähr die erste Hälfte keine richtigen Wege fahren, die zudem noch die ganze Zeit auf und ab gehen, was bei weitem das Anstrengenste ist. So sind wir froh, als wir endlich eine richtige Straße erreichen. Die letzte Strecke bis nach Eksjö fahren wir nur noch so vor uns hin, obwohl es im Vergleich zu vorher fast wie von alleine geht. Als wir in Eksjö ankommen, ist vor allem Günther so platt, dass wir keinen Bock haben, uns noch einen Biwakplatz zu suchen, so dass wir uns kurzerhand auf einem Campingplatz niederlassen. Aber wir haben eine stolze Strecke von immerhin 92 km geschafft, entgegen aller Widrigkeiten des Weges. 

17.7. - Als heutiges Etappenziel haben wir Sävsjö genommen. Die heutige Fahrt ist wenig fordernd und als wir in Sävsjö ankommen, sind die meisten noch so fit, dass wir noch weiter bis nach Vrigstad fahren wollen, wo wir ja sogar schon einen Biwakplatz haben. Doch Günthers Hintern ist entzündet und so zelten wir wieder auf einem Campingplatz, der, wie wir später noch herausfinden, von Christen verwaltet wird. Abends spielt eine christliche Band und ich genieße es, noch einmal vernünftige Musik zu hören. Außerdem spielen wir Streetball, was allerdings schließlich daran scheitert, dass wir uns nicht auf die Regeln einigen können. Das nächste Mal werden wir es besser machen. Zudem schreiben wir Flaks Frau eine Karte, in der wir ihr mitteilen, dass ihr Mann mit einem Elefanten schwanger ist. 

18.7. - Es hat über Nacht begonnen zu regnen und das Frühstück wird dadurch sehr ungemütlich, weil wir in den Zelten essen müssen. Wir bauen trotzdem die Zelte ab, da wir heute bis nach Värnamo kommen wollen, wo wir ja genug Zeit zu allem, inklusive Zelte trocknen, haben. Zum Glück hört es später dann auch auf zu regnen. Die Andacht halten wir in der Cafeteria bei einem Freigetränk. Dann machen wir uns auf nach Värnamo. Wir kommen auch noch einmal durch Vrigstad. Endlich kommen wir in Värnamo an. Da wir die letzten Kilometer richtig Gas gegeben haben, bin ich total erschöpft, als wir zu guter Letzt die Autos erreichen. Günther trifft natürlich geraume Zeit später ein, weil sein Hintern immer noch entzündet ist. Wir laden die Fahrräder ein und fahren zu unserem guten alten Biwakplatz am See. Nachdem wir die Zelte aufgeschlagen haben, machen wir ein Feuer an, um uns die Milben und so vom Hals und anderen Körpergegenden zu halten. 

Auf dem See angeln zwei schwedische Jungen von einem Boot aus. Sie schenken uns einen kleinen Fisch, den einzigen, den sie an diesem Tag geangelt haben. Wir bereiten ihn zu und essen ihn gemeinsam. Viel ist es zwar nicht, aber es schmeckt vorzüglich.

Bis tief in die Nacht hinein sitzen wir um das Feuer und trinken Tee oder Cappuchino, bis wir uns zu Schlafsack begeben. 

19.7. - Der letzte Schwedentag hat begonnen. Jetzt heißt es ausruhen und genießen. Unsere Leiter verlassen uns am Vormittag, weil sie noch einige Besorgungen in der Stadt machen wollen und so sind wir eben den halben Tag alleine. Also bleibt der Rest zurück auf dem Biwakplatz. Wir machen uns einen schönen Tag, den Bennet und Jens mit dem Schreiben eines Reiseberichtes, David und Jan mit dem Bauen eines Floßes, mit dem sie zum Angeln auf den See rausfahren wollen und schließlich ich mit dem Sammeln von Blaubeeren, von denen ich in der Nähe jede Menge gefunden habe. Später kommt Jens dazu. Irgendwann ist das Floß fertig. Dafür, dass sie so wenige Seile hatten, haben Jan und David ihre Aufgabe meisterhaft gelöst. Doch als sie das Floß zu Wasser gelassen haben und es das erstemal belasten, rutschen die Kanister, die sie als eigentliche Schwimmkörper benutzt haben, nach oben. Sie versuchen, sie irgendwie festzuklemmen, was auch erst vielversprechend aussieht und stechen dann trotz allem in See. Es endet damit, dass sie den „Schwulen Hund“, wie sie ihr Prachtstück genannt haben, von irgendwo weit draußen wieder zum Lager schleppen müssen, da wir auf die Seile, die zum Bau verwendet wurden, schlecht verzichten können.

Irgendwann zieht sich der Himmel zu und wir sichern vorsichtshalber das Lager. Es fängt auch tatsächlich an zu stürmen und zu regnen. Das Unwetter streift uns glücklicherweise nur, doch hat es so stark gestürmt, dass das eine oder andere Zelt fast weggeweht worden wäre (trotz der Heringe!). Zum Abendessen gibt es noch mal ein Kartoffel-Ei-Zwiebel-Gericht, bereitet aus den Zutaten, Die G. und F. aus dem Ort mitgebracht haben. Hocker haben sie nicht gekriegt. Wir machen noch einmal eine Runde am Lagerfeuer wie vorigen Abend, gehen jedoch früher ins Bett, weil wir uns morgen auf den Heimweg machen wollen.

20.7. - Die Heimreise ist nicht weiter erwähnenswert, bis auf, dass Jan in Schweden geblieben ist und ich in Puttgarden die Mannschaft verlasse, um in Eckernförde zu bleiben. Wir haben einiges erlebt, sehr viel Spaß gehabt und vor allem die ganze Zeit genossen. Wir haben Schweden etwas besser kennengelernt, die schwedische Freundlichkeit, den gesunden Nationalstolz und ein Stück weit die Mentalität.

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