Kanu-Trail auf der Altmühl 2000

Stämme der Region West 6

31.05.:

17.00 Uhr Treffen an der Arche: natürlich großer Tumult. Wir brauchten eine Stunde um alles zusammen zu suchen und alles zu verstauen. Etwa zwei Stunden später kamen wir in Hinterweidental (?) an und begannen alles zu aufzubauen. Die Mädels bekamen die Jurte und zum Glück half uns Jürgen dabei es aufzubauen. Allerdings wußte er auch oft nicht mehr als ich und Abo schockte uns oft mit dem Kommentar: “das ist falsch!“. Alle taten sich die Finger an den blöden Knöpfen weh. Zum Schluß stand das Zelt mehr schlecht als recht, aber solange es nicht regnen würde...

Zum Glück gab es dann Tee und Brote. Wir gingen ziemlich schnell schlafen, aber es wurde schon dunkel, also schätze ich mal war es um die 23.00 Uhr. Ich bekam die ganze Nacht kein Auge zu. Das lag zum einen an der Scheiß-kälte, die meine Nase beständig einfrieren ließ und zum anderen an Julia. Ich hatte nie gedacht, daß ein Mädchen so schnarchen kann!!!

Irgendwann mitten in der Nacht sagte auch ein Mädchen im Traum: “Mach das Licht aus!“ Auch die Grille sorgte für Unterhaltung bis spät in die Nacht.

 

01.06.:

Am nächsten Morgen hatte ich eigentlich erwartet, daß nach Julia`s Sägewerk kein Baum mehr stehen würde, aber ich sah mich getäuscht. Da ich sowieso nicht geschlafen hatte, war es kein Problem für mich um 6.00 Uhr aufzustehen. Es gab ein schnelles Frühstück zum Glück mit Capuccino. Um 6.30 Uhr war Abfahrt. Ein paar fuhren mit Reiner`s Bus und wir mit Abo`s Auto. Während der Fahrt merkten wir, daß wir unseren Kocher, Töpfe und auch unsere Wasserkanister im Camp gelassen hatten. Jeder hatte sich auf den anderen verlassen und wir mußten auf soziales Verhalten seitens der Landauer hoffen.

Als wir auf einem Rastplatz anhielten wurden die Frauen von der Putzfrau zu den Herren auf die Toilette geschickt. Sie meinte nur:“ Das nix mehr Männerklo!“. Eine der Frauen lichtete die aufgereihten Männer am Pissoir mit den Worten: „Männer, Gesichter an die Wand, das glaubt mir mein Mann nie!“ ab.

Die Fahrt ging weiter und daß ich eine Flasche mit Benzin zwischen den Beinen hatte, verbesserte auch nicht die Luftkondition, allerdings möchte ich nicht bestreiten, daß der Duft high macht.

Nach etwa 4 Stunden waren wir bei der Bootsvermietung. Schnell gingen noch einige auf die Toilette, die allerdings nur mit einem Vorhang abgetrennt war. An diesem Tag fanden wir es nicht besonders luxeriös.

 

        

 

Rebekka und ich wurden mit dem Bootsvermieter nach Pappenheim gefahren. Wir kannten eigentlich noch keine Pappenheimer, aber dieser hörte scheinbar leidenschaftlich gern Volksmusik, wie er eindrucksvoll bewies. Wir waren froh an der Ablegestelle zu sein. Wir merkten jedoch, daß noch zwei Boote fehlten. Nachdem auch dieses Problem gelöst worden war, ging es los. Reiner zeigte wie es funktionierte und bald waren wir alle auf dem Wasser. Wir waren 22 (?) Leute von den Stämmen Germersheim, Landau, Kusel und natürlich Idar-Oberstein.

Es war den ganzen Tag schon wunderbares Wetter und strahlend blauer Himmel, der die ganzen Tage anhalten sollte.

 

              

 

Am Abend kamen wir an unserem Zeltplatz an. Er war schön gelegen und es gab dort eine Wasserrutsche, wo man mit den Booten hinunter fahren konnte, wenn man wollte. Die vier Landauer Jungs wollten, und fuhren immer wieder. Sie kenterten zwar, aber sie hatten nichts gegen Schwimmen im kalten Wasser.

Zur Raubtierfütterung liehen wir uns von verschiedenen Stämmen was wir zum Kochen brauchten. Björn machte Quark und kümmerte sich um die Koordination, Lewis schälte Kartoffeln, von denen nach seiner Rasur nicht mehr viel übrig blieb. Ich weinte, was eher auf die Zwiebeln als auf schlechtes Wetter zurückzuführen war. Da wir von den Zwiebeln ziemlich viele dabei hatten, gab es auch viele zu essen. Die inzwischen wieder kalt gewordenen Würstchen gab es dabei. Danach noch Kartoffeln die einfach nicht gar werden wollten und Quark. Da jeder Hunger hatte schmeckte es erstaunlich gut. ( Ich glaube nicht, daß ich schon jemals freiwillig Zwiebeln gegessen habe, geschweige denn so viele !). Alle hatten Durst, aber es war ein Feiertag. Unser Retter Abo konnte trotzdem bei einem Restaurant was zu trinken für uns organisieren. (Gut für ihn, sonst wäre ich am nächsten Morgen nämlich desertiert!!)

An diesem Abend waren wir doch ziemlich müde und gingen schnell schlafen.

 

02.06.:

Früh am nächsten Morgen aufgestanden, es dauerte etwas, bis die Autos auf dem richtigen Parkplatz standen. Währenddessen fuhren auch wir über diese Wasserrutsche, allerdings bekamen wir auch ziemlich viel Wasser ins Boot. Michael hatte sich einen ganz schönen Sonnenbrand eingehandelt und fuhr mit einem T-shirt über den Beinen. Wir hatten alle nicht mit so viel Sonne gerechnet, doch Abo kaufte im Ort noch Sonnencreme und einige Flaschen zu trinken.

Dann ging es los. Das Kanu fahren an sich war nicht zu anstrengend und die Landschaft war super. Wir sahen viele Libellen in verschiedenen Farben und Formen, böse Angler, denen wir die Fische vertrieben, Biber, Schwäne mit kleinen Schwänen, Enten mit kleinen Enten und auch einen Baum, an dem man deutlich das Werk eines Bibers erkennen konnte. Es war ziemlich cool, weil man sonst so viel unberührte Natur wohl selten zu sehen bekommt.

Eine Andacht in einer ruhigen Bucht gehalten.

Unser Boot lieferte sich mit den Landauern Wasserschlachten und Enterfahrten, auch klauten sie uns zwei Ruder. Auf jeden Fall machte es sehr viel Spaß und nachher machten wir zu zweit Jagd auf Dietmar in seinem Kajak.

Mittags wurde immer Rast gemacht und was gegessen. Am Abend kamen wir an einem Campingplatz an, der diesmal ziemlich im Ort lag. Jedoch mußten wir bald feststellen, daß es dort weder Toiletten noch Duschen gab. Mit Wehmut dachten wohl einige an das fünf-Sterne-Klo beim Bootsverleih. Es war ziemlich warm und wir waren froh als die Sonne unterging. Wir fanden zwar einen Wasserhahn, allerdings mußte man drauf drücken, damit Wasser kam. Es hörte auch sehr schnell wieder auf und es war dann doch ziemlich nervig sich auch nur die Zähne zu putzen. Wir sahen die Sprinkleranlage des Tennisplatzes in einem ganz anderen Licht. Wir hätten ziemlich viel für eine anständige Dusche getan. Mir fiel wieder die Dürre in Äthiopien ein und die Schizophrenie: Die Menschen verdursten und wir bewässern Tennisplätze. Ich fand diesen Ausflug auch deshalb so gut, weil man da erst mal merkt, in welchem Wohlstand wir sonst immer leben.

 

                   

 

Während wir das Essen, Ravioli, erwärmten, wollten ein paar Jungs aus Kusel noch ein bißchen Boot fahren. Sie ließen das Boot zu Wasser, wollten nur noch was holen und als sie zurückkamen, war es verschwunden. Wir konnten nur komisch gucken, als sie uns fragten, ob wir ihr Boot gesehen hätten. Wir dachten, sie hätten Witze gemacht, doch das Boot blieb verschwunden.

Wir aßen erst mal die Ravioli, zum Glück war genug davon da. Das Spülen gestaltete sich allerdings als schwierig, da es ein wenig angebrannt war. Wir wollten den Topf wieder warm machen um es sauber zu kriegen. Lewis versuchte den Kocher anzubekomen; mit den Worten:“ Wieso geht das nicht?“ drehte er das Gas immer mehr auf und produzierte so eine nette Stichflamme, die er zum Glück nicht abbekam.

So langsam wurden wir doch müde und legten uns bald zum Schlafen hin.

 

03.06.:

Am Morgen begann die letzte Etappe. Nach einem guten Frühstück fuhren wir los. Etwa um 16.00 Uhr kamen wir an unserem Ziel an. Es war sehr heiß geworden und nachdem wir die Boote gesäubert hatten suchten wir uns schnell einen Platz im Schatten. Wir aßen noch eine Melone und ich glaube, daß dieser Ausflug trotz seiner manchmaligen Strapazen jedem gut gefallen hat und wir es wiederholen sollten.

Man verabschiedete sich und jeder war trotzdem wieder froh die nächste Nacht in einem weichen Bett verbringe zu können ( Nicht wahr, Abo?)

 

                                                              Anneke Böhmert, Stamm Idar-Oberstein

 

 

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